Arbeitskräftemangel im Tourismus: Kann die Digitalisierung hier Abhilfe schaffen?

Rekrutieren, einarbeiten, binden: Die Tourismusbranche hat Mühe, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Und die jüngeren Generationen suchen nicht mehr nur nach einem Lohn, sondern nach einer Erfahrung, nach Sinn und nach Flexibilität. Angesichts dieser Herausforderungen kann die Digitalisierung ein wirkungsvoller Hebel sein – vorausgesetzt, sie wird richtig eingesetzt.

Der Tourismus sowie das Gastgewerbe gehören zu den Branchen, die am stärksten vom Arbeitskräftemangel betroffen sind. Die Gründe sind bekannt: Saisonarbeit, unregelmässige Arbeitszeiten, hohe Personalfluktuation. Doch die Lage hat sich geändert. «Die neuen Generationen suchen nicht mehr nur einen Job oder einen Lohn, sondern eine Erfahrung, eine Unternehmenskultur, Flexibilität und Sinn», fasst Jérôme Salamin, Leiter des Digitourism-Projekts, zusammen.

Hinzu kommt eine branchenspezifische operative Herausforderung. Wenn ein Mitarbeiter für die Wintersaison eingestellt wird und am 23. Dezember antritt, bleiben nur noch wenige Tage, um ihn einzuarbeiten, bevor der Betrieb auf Hochtouren läuft. Der Spielraum für Fehler bei der Personalauswahl ist daher gering.

Die Mitarbeitererfahrung – der neue rote Faden

Im Tourismus spricht jeder vom Kundenerlebnis. Sie steht im Mittelpunkt von Strategien, Schulungen und Investitionen. Doch eine andere Erfahrung verdient die gleiche Aufmerksamkeit: Die des Mitarbeiters. «Die Mitarbeitererfahrung beginnt lange vor der Anstellung, schon mit dem Bild, das man vom Beruf vermittelt, schon beim ersten Kontakt, schon beim Vorstellungsgespräch und dann bei der Einarbeitung, den Arbeitsmitteln und der internen Kommunikation», betont Jérôme Salamin.

Mit anderen Worten: Die Mitarbeiterbindung beginnt nicht erst am Tag des Eintritts. Sie beginnt viel früher, nämlich damit, wie sich ein Unternehmen präsentiert, kommuniziert und für Bewerber attraktiv macht.

Digitalisierung: Hebel oder Hindernis?

Die Digitalisierung spielt in dieser Debatte natürlich eine Rolle. Sie kann die Dinge erschweren – Distanz, Überlastung und Komplexität schaffen –, aber sie kann auch zu «einem grossartigen Hebel zur Verbesserung der Mitarbeitererfahrung» werden, vorausgesetzt, sie wird richtig eingesetzt.

Online-Rekrutierung, Tools für die interne Kommunikation, digitale Einarbeitung von neuen Mitarbeitenden: Die Möglichkeiten sind zahlreich. Allerdings müssen sie in den Dienst der Frauen und Männer gestellt werden, die den Betrieb am Laufen halten, und nicht nur den administrativen Prozessen dienen. Denn auch wenn der Arbeitskräftemangel kein unabwendbares Schicksal ist, erfordert er doch neue Lösungen. Und die Walliser Tourismusbranche, die mit diesen Herausforderungen voll konfrontiert ist, hat jedes Interesse daran, diese unverzüglich anzugehen.

Das Interview fand am 26. Mai 2026 an den Digitourism-Tagen in Champex-Lac statt

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