Ein Jahr nach dem Erdrutsch von Blatten, der das Dorf zerstörte und die Hotelübernachtungen im Tal um 45 % sinken liess, hat das Lötschental auf 2’000 Metern Höhe ein provisorisches Holzhotel eröffnet, das innerhalb von drei Monaten errichtet wurde. Ein Gemeinschaftsprojekt, das bereits in seinem ersten Winter eine Auslastung von 85 % verzeichnet. Es ist ein Beispiel für Resilienz, vorgestellt von Mathias Fleischmann, Direktor von Lötschental Tourismus, an den letzten Digitourism-Tagen Ende Mai vorgestellt hat.
Am 23. Mai 2025 erschütterte ein grosser Felssturz in Blatten ein ganzes Tal. Für den lokalen Tourismus waren die Folgen unmittelbar und schwerwiegend: drei zerstörte Hotels, ein viertes unzugänglich, zwei Campingplätze ausser Betrieb. «Wir haben 80 Prozent der Hotelbetten im Tal verloren, das war wirklich katastrophal», fasst Mathias Fleischmann zusammen.
Der Rückgang der Übernachtungen belief sich im gesamten Reiseziel auf 45 %. Im Winter fiel der Rückgang mit rund 20 bis 25 % etwas geringer aus, da die Chalets und Ferienwohnungen im oberen Teil des Tals vom Erdrutsch nicht betroffen waren.
Drei Hotelfamilien im Umgang mit der Ungewissheit
Hinter den Zahlen verbergen sich drei Familien, die von einem Tag auf den anderen ihre Arbeitsmittel verloren haben. «Einer hatte schon jede Menge Ideen, was man tun könnte, andere befanden sich in einer ziemlich schwierigen Lage», erzählt Mathias Fleischmann, der drei Wochen nach der Katastrophe Kontakt zu den Hoteliers aufnahm.
Aber der Kampfgeist war da. «Man spürte den Mut dieser Menschen, sich für das Tal einsetzen zu wollen, auch um den Tourismus und die Arbeitsplätze zu retten.» Sehr schnell kam die Idee einer provisorischen Unterkunft auf.
Drei Monate, um ein Hotel zu bauen
Die grösste Herausforderung war die Zeit: Damit sich das Projekt wirtschaftlich lohnte, musste das Hotel noch vor Beginn der Wintersaison eröffnet werden. Rund fünfzehn auf Modulbau spezialisierte Unternehmen wurden kontaktiert. Nur zwei davon konnten den Zeitplan einhalten. Die Wahl fiel schliesslich auf ein Aargauer Unternehmen, das in der Lage war, innerhalb von drei Monaten ein komplett neues Hotel aus Holz zu errichten.
Am 15. August fiel der Startschuss. Im September wurde eine neue Aktiengesellschaft, die Lötschental Blatten AG, gegründet, die Baubewilligung innerhalb von 36 Tagen erteilt und die Finanzierung Mitte September unter Dach und Fach gebracht. Die Fundamentarbeiten begannen sofort. «Jedes Stockwerk befand sich in einem anderen Zustand. Unten wurden bereits die Betten aufgestellt, während oben noch das Dach fertiggestellt wurde. Es war unglaublich, was sie dort geschaffen haben.“ Das Hotel Momentum wurde am 19. Dezember 2025 offiziell eröffnet, mit 19 Zimmern und 64 Betten, und von Hôtellerie Suisse mit drei Sternen «Superior» klassifiziert. Über uns | Ein Ort mit Geschichte und Haltung
Ein Modell, das auf Zusammenarbeit basiert
Das Projekt hat im Sinne einer gemeinsamen Gestaltung mehrere lokale Akteure mobilisiert. Die Bergbahnen haben das Grundstück für mindestens fünf Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt. Das benachbarte Panoramarestaurant, das von den Bergbahnen betrieben wird, sorgt für das Morgenessen und das Nachtessen der Gäste. Die Wäscherei wird gemeinsam mit einer lokalen Vermietungsagentur betrieben, die bereits rund siebzig Chalets und Wohnungen im Tal betreut. «So konnten wir zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.»
Insgesamt beliefen sich die Kosten des Projekts auf 5’000’000 Franken, finanziert durch die Versicherungen der Hoteliers, die in Form von Darlehen wieder investiert wurden, einen nicht rückzahlbaren Kantonsbeitrag in Höhe von 1’000’000 Franken, eine Unterstützung durch die Schweizer Berghilfe sowie weitere Spenden.
Ein vielversprechender erster Winter
Die Ergebnisse haben die Erwartungen übertroffen. Die Lage direkt an den Pisten hat überzeugt: Die Auslastung lag im ersten Winter bei über 85 Prozent. «Für uns bedeutet die Eröffnung dieses Hotels nicht nur zusätzliche Betten. Es ist auch ein positives und wichtiges Signal für das gesamte Tal. Dass man hier an die Zukunft des Tourismus glaubt.»
Das Lötschental will nicht einfach nur das wiederaufbauen, was früher einmal da war. «Man muss diese Gelegenheit nutzen, um etwas Besseres zu schaffen – sowohl was das Angebot als auch die Infrastruktur betrifft.»
Derzeit laufen mehrere Projekte: die für den 4. Juli geplante Wiedereröffnung des Hotels Fafleralp, eine neue Seilbahn zwischen Wiler und Weissenried, die Modernisierung des Skigebiets über einen Zeitraum von zehn Jahren sowie ein Pendelbus nach Fafleralp ab Sommer 2025. Ausserdem wurde gemeinsam mit den Gemeinden und den Hoteliers eine umfassende strategische Überlegung zum Beherbergungsangebot im Tal in Angriff genommen.
Die Rückkehr zum Stand vor dem Erdrutsch werde «zwischen 5 und 7 Jahren» dauern, schätzt Mathias Fleischmann. Doch die Dynamik ist in Gang gekommen. «Jede Krise bietet Chancen. Was vorbei ist, ist vorbei, aber wir müssen nach vorne schauen und diese Chancen gemeinsam nutzen.»
Live-Bericht vom 26. Mai 2026 an den «Journées Digitourism» in Champex-Lac