Vier-Jahrszeiten-Tourismus: Wie die Digitalisierung den Regionen hilft, sich neu zu erfinden

Bergorte können sich nicht mehr ausschliesslich auf den Schnee verlassen. Angesichts ungewisser Winter haben mehrere Regionen einen tiefgreifenden Wandel ihres Geschäftsmodells eingeleitet, indem sie ihr Angebot diversifiziert und sich auf Daten stützen, um ihre Kundschaft besser zu verstehen. Denis Maurer, Präsident von Travel Data und G2A Consulting, stellte an den «Journées Digitourism» konkrete Ansätze vor, um den Übergang vom saisonalen Tourismus zum Ganzjahrestourismus zu schaffen. 

Veränderung beginnt mit Worten. Für Denis Maurer ist es semantisch zu kurz gegriffen, weiterhin «Skipässe» zu verkaufen. «Wenn man für 60 Franken einen Freizeit- oder Multiaktivitätspass kauft, eröffnet das ganz neue Perspektiven.» Im Winter steht das Skifahren oft weiterhin im Mittelpunkt des Angebots, ist aber nicht mehr das einzige Verkaufsargument. Diese Umformulierung trägt auch dazu bei, Wahrnehmungsunterschiede zwischen den Jahreszeiten zu beseitigen und die Kunden daran zu gewöhnen, die Berge auch jenseits der Schneelage zu schätzen.

Die Idee besteht darin, die Jahreszeiten durch vielfältige Aktivitäten miteinander zu verknüpfen und lokale Händler und Dienstleister – Gastronomie, Transport, Wellness – nach einer gemeinsamen und nachvollziehbaren Logik in die Angebote zu integrieren. «Die Pässe müssen die Gastronomie integrieren können, so wie es beim Club Med mit dem All-Access-Armband der Fall ist.» Flexible Management-Tools, die den Austausch zwischen den verschiedenen Aktivitäten ermöglichen, sind unerlässlich, um dies zu verwirklichen. Die Gästekarten zeigen, dass dieser Ansatz bereits existiert.

Beispiele, die den Weg weisen  

Mehrere Skigebiete haben diesen Wandel bereits mit konkreten Ergebnissen eingeleitet:

  • In Les Angles in den Pyrenäen kann die Schneelage den Umsatz je nach Jahr um das Dreifache schwanken lassen. Der Ferienort hat ein Resort-Konzept eingeführt, indem er beispielsweise sein Schwimmbad in ein High-End-Spa umgewandelt hat und ein gestaffeltes Pauschalangebot anbietet, das Wellness und Skifahren je nach Öffnungszeiten des Skigebiets kombiniert.
  • In Verbier hat sich der Ferienort im Sommer als Veloreiseziel etabliert. Ergebnis: Bei den Bergbahnen weisen bestimmte Sommerwochen Umsatzzahlen auf, die mit den umsatzschwächsten Winterwochen vergleichbar sind.
  • In Saint-Gervais macht die App «AlpVengers» die Aktivitäten in der Region zu einem Spiel – Läufe, Familienausflüge, bewertete Leistungen –, um die Attraktivität des Reiseziels über das ganze Jahr hinweg zu steigern.
  • In Les Carroz d’Arraches wurden zwölf verschiedene Aktivitätsarten – Spa, Tennis, Mountainbike, Ortsbus – in ein einziges System integriert. «Man braucht Instrumente, die das ermöglichen. Und das wurde umgesetzt.»

Was die Daten offenbaren  

Die Zahlen aus rund 100’000 Kundenbefragungen liefern wertvolle Einblicke in die Entwicklung des Verhaltens. In Frankreich kamen 2019 80 % der Gäste hauptsächlich zum Skifahren. Im Jahr 2020, als die Skigebiete aufgrund von Covid-19 geschlossen waren, verdoppelte sich der Anteil der alternativen Aktivitäten – Skitouren, Schneeschuhwandern, Schlitteln, Langlauf. Und in den Jahren 2024–2025 kehrte der Skisport auf sein Niveau vor der Covid-Pandemie zurück, während die anderen Aktivitäten ihr Niveau nach der Pandemie beibehielten. «Die Covid-Pandemie hat den Bergfreunden die Augen geöffnet und ihnen neue Aktivitäten nähergebracht.» Diese Daten ermöglichen es den Regionen, jedes Angebot pro Saison besser zu verstehen und die Entwicklungen zu messen.

Der territoriale Zusammenhalt – eine unabdingbare Voraussetzung  

Doch nicht alles lässt sich so einfach umsetzen. Wo es an Koordination mangelt – zwischen Beherbergungsbetrieben, Bergbahnen und Detailhändlern –, hat der Übergang zu einem Vier-Jahreszeiten-Tourismus kaum Aussicht auf Erfolg. «Es funktioniert nicht, wenn alle tatenlos zuschauen, auch was die Öffnungs- und Schliesszeiten der Beherbergungsbetriebe betrifft. »

Für Tourismusunternehmen gibt es auch operative Herausforderungen: Das Angebot während der Saison anzupassen, Lagerbestände zu verwalten, die je nach Zeitraum auf sehr unterschiedliche Kundschaft zugeschnitten sind, und die Komplementarität mit den anderen Akteuren des Ferienorts vorausschauend zu planen. «Der Sommer muss ein Lockprodukt für den Winter sein», fasst Denis Maurer zusammen. Eine Vision, die voraussetzt, dass man das ganze Jahr im Blick hat und sich nicht mehr nur auf zwölf Wochen Hochsaison konzentriert.

Das Interview fand am 27. Mai 2026 an den Digitourism-Tagen in Champex-Lac statt.

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